Das Karnevalslied
Ein ganz wichtiger Bestandteil des Kölner Karnevals ist das Karnevalslied. Durch gemeinsames Singen, Schunkeln und Klatschen wird eine Einheit von Sängern und Publikum hergestellt. Die Liedertexte behandeln fast alle die Geschichte Kölns und das Leben seiner Bürger.
Das Karnevalslied hat in Köln eine lange Tradition. Das älteste Karnevalslied überlieferte uns die Nonne Anna von Köln 1500. Im 19. Jahrhundert nach der Reform des Karnevals wurde das Karnevalslied neu entdeckt, u.a. durch Samuel Schier, der 1823 zur Inthronisierung des Helden Karneval ein Lied schrieb, das noch viele Jahre als Eröffnungslied auf allen Sitzungen gesungen wurde. Eine berühmte Sammlung von Karnevalsliedern enthält auch das Buch „Bellen Töne“ mit Liedern aus den Jahren 1823 – 1834. Gemütvolle, in der ganzen Stadt gesungene und teilweise noch heute bekannte Lieder wie z.B. das „Karessellcheleed“ wurden uns von Josef Roesberg überliefert.
Im 20. Jahrhundert hat sich das Kölner und auch das kölsche Lied explosionsartig entfaltet. Einen unbestrittenen Höhepunkt bilden bis heute die Lieder von Willi Ostermann, die nicht mehr aus dem Karneval wegzudenken sind.
Willi Ostermann:
Als 1881 die Stadtmauer abgerissen wurde, und dann 1888 die große Eingemeindung vorangetrieben wurde, begann der Karneval durch die zunehmenden Einflüsse von außen sein Eigenleben zu verlieren. Die volksnahe und typisch kölsche Bedeutung verflachte. Mit Kabarett und Varietee entstanden neue Formen des Feierns. Die Revue trat ihren Siegeszug an, und Schlager und Gassenhauer drohten das kölsche Karnevalslied zu verdrängen. Da trat Willi Ostermann in den Kölner Karneval. Der Inhalt seiner Lieder war so, dass auch der moderne Karneval in herkömmlicher Weise damit bestehen konnte. Willi Ostermann war viel mehr als nur ein Karnevalist, er hat auch echtes Volksliedgut geschaffen. Der große Durchbruch im Karneval gelang ihm 1907 mit dem Lied „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“. Danach bescherte er dem Karneval jedes Jahr neue Lieder mit mitreißenden Texten und Melodien. Er kannte die kölsche Seele wie nur wenige. Ostermann sprach die Sprache des Volkes. Mit seinen Liedern verdrängte er die üblen Gassenhauer und andere negative Einflüsse, die sich in den Jahren der Stadterweiterung breit machten. Er produzierte unzählige Lieder. Willi Ostermann wurde 1876 in Mühlheim am Rhein geboren und starb 1936 in Köln. Er absolvierte eine Lehre als Elektriker, fand aber keinen Gefallen an dem Beruf und lernte um auf Galvanoplastiker, danach auf Druckplattengießer, bis er schließlich ganz zur Musik und auf die Bühne wechselte. Mit Willi Ostermann nahm die Geschichte des Karnevalsliedes einen neuen Beginn.
Volkslieder, zu denen auch das Karnevalslied zählt, entstehen aus Volksfesten heraus. Volksfeste in Köln waren und sind Kirmes und Karneval. Die Kirmes tritt in Köln an Bedeutung hinter den Karneval zurück. Jedes Ereignis in Köln wurde und wird besungen, was schon bald dazu führte, dass es wesentlich mehr Texte als Melodien gab, zwangsläufig wurden daher viele Lieder auf die gleiche Melodie gesungen. Früher konnten die Lieder nur verbreitet werden, indem man sie dem Volk auf den Sitzungen vorstellte. Auch heute noch ist der Sitzungssaal die beste Möglichkeit die neuen Lieder bekannt zu machen, weil jeder mitsingt. Heute haben aber auch die Medien und die Musikindustrie einen erheblichen Anteil an der Popularität der neuen Lieder.
Seit dem die Bläck Föös den Karneval erobert haben, haben immer wieder junge Musikgruppen durch die Einbeziehung neuer Rhythmen und Melodien zu einer zeitgemäßen Erneuerung des Kölner Karnevalsliedes geführt.
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