Die Vorortzüge
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Bevölkerungsstruktur in Köln stark. Durch die fast vollständige Zerstörung der Innenstadt gewannen die Vororte als Wohnviertel stark an Bedeutung. Durch diese Umstrukturierung verlagerte sich auch der Karneval. Vor dem Krieg spielte er sich fast nur in der Altstadt ab. In den rasch wachsenden Stadtteilen war kaum etwas von Karneval zu spüren. Wer Karneval feiern wollte ging in die Stadt.
Nach dem Krieg wurden zwar die Kappenfahrten wieder aufgenommen, aber sie hatten viel an Attraktivität verloren, dadurch dass die Pferde durch Autos ersetzt wurden. Kappenfahrten waren Rundfahrten durch die Stadt und Stadtteile von mit der gleichen Mütze geschmückten Mitgliedern einer Karnevalsgesellschaft. Ursprünglich fanden dies Fahrten Sonntag nachmittags statt, später Dienstags. Die ersten Kappenfahrten gab es bereits in den 1820er Jahren. Heute haben sie sich überlebt.
Den Karnevalsdienstag aufgewertet haben dann die Stadtteilzüge, die durch Vororte und Stadtteile zogen. Schon vor dem Krieg hatte die Große Kölner Karnevalsgesellschaft einen Karnevalszug am Dienstag durch Kalk ziehen lassen. 1952 ließ man diesen Brauch wieder aufleben. Der damalige Festkomitee-Präsident stellte für diesen Zug, der aus 16 Gruppen bestand, drei Wagen aus dem Rosenmontagszug zur Verfügung. 1953 zogen dann auch Dienstagszüge durch Deutz und Mülheim, die damals noch Wagen aus dem Rosenmontagszug zur Verfügung gestellt bekamen. Heute ist das aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Das Beispiel machte schnell in anderen Stadtteilen Schule. Überall im Stadtgebiet veranstalten heute Karnevalsgesellschaften Umzüge, die nicht mehr unbedingt auf den Dienstag festgelegt sind. Nur der Rosenmontag ist tabu. Zu diesen Umzügen schließen sich neben den ortsansässigen Karnevalsgesellschaften Schulen, Stammtische, Veelsvereine und andere Organisationen zusammen. Die Züge, die die Probleme des Stadtteils persiflieren, werden immer größer und immer beliebter bei der Bevölkerung, besonders bei Familien mit kleinen Kindern. Die Atmosphäre ist persönlicher als beim Rosenmontagszug. Hier sind nicht so viel fremde Besucher, man feiert unter sich und man kennt viele Zugteilnehmer.
Das Amt für Kölnisches Brauchtum hat 1953 in Verbindung mit den Lehrern den Gedanken vom Tag der Kinder aufgegriffen, Man veranstaltete 1954 erstmals in Ehrenfeld einen Schulzug am Karnevalsdienstag, an dem sich mehr als 2.000 Kinder beteiligten. Seit dem hat der Ehrenfelder Zug von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewonnen. Heute beteiligen sich neben den Schulen auch Karnevalsgesellschaften, Veedelsvereine und Stammtische an dem Zug.
Einige Stadtteile ernennen auch ein eigenes „Stadtteildreigestirn“, was keine sehr originelle Idee ist, da es ein offizielles Dreigestirn für alle Kölner gibt. Dreigestirne in Stadtteilen, die erst später im Zuge der Eingemeindung zu Köln gekommen sind haben dagegen eine lange Tradition und sind fester Bestandteil des Stadtteils wie z.B. in Worringer, Porz oder Rodenkirchen.