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Artur Tybussek

Um die Traditionen der Nippeser Bürgerwehr herauszustellen, muss man sowohl die Geschichte der Kölner Bürgerwehren wie auch den Karneval in Nippes beschreiben.

Früher sang man in Nippes: „O Neppes, o Neppes, do wunderschöne Stadt, auf deinen Fluren, da baut man Kappes un Salat.“ Heute singt ganz Köln: „Loß mer jet noh Neppes jon, en Neppes krijje mer Spass.“ Trotzdem ist Nippes im Volksmund das „Ausland“ geblieben. Als der Ort 1888 nach Köln eingemeindet wurde, gab es dort schon ein reges Vereinsleben, jedoch keine Karnevalsgesellschaft. So beschlossen 1889 einige Herren des Nippeser Gesangvereins diese Lücke zu schließen. Sie veranstalteten Karnevalssitzungen unter den Namen „Große Nippeser K.G.“, allerdings ohne eine Gesellschaft zu gründen. Dieser lose Zusammenschluss war nicht lebensfähig und schlief bald wieder ein.

1902 regte dann der Nippeser Wirt Knäpper seine Gäste an in Nippes eine Karnevalsgesellschaft zu gründen. Nach einer Testveranstaltung, die alle Erwartungen übertraf, wurde 1903 die K.G. Nippes Riehl gegründet und kurz darauf in Große Nippeser KG umbenannt. Mitglieder der Großen Nippeser KG besannen sich 1928 einer alten Tradition der KG „Aehnze Kähls“ von 1883. Diese stellte im Jahre 1909 eine karnevalistische „Kölner Bürgerwehr“ auf, die im Jahre 1925 ihr Ende fand.
In Anlehnung der in den Jahre 1799 bis 1815 aus Söhnen der Landbevölkerung (Nippes zählte damals als Ort zur ländlichen Umgebung von Köln) und der Bürgerschaft gestellte Ordnungstruppen „Garde munizipal de la Ville de Cologne“ wurde die KG 1928 in Große Nippeser KG „Närrische Bürgerwehr“ und dann schließlich in KKG Nippeser Bürgerwehr 1903 e.V. umbenannt.

1106 erhielt die freie Reichsstadt Köln durch Kaiser Heinrich IV. das Recht die Stadt durch eine Stadtmauer abzusichern. Die Mauer ging nach ihrer Fertigstellung in das Eigentum der Stadt über, das hieß, dass die Stadt auch für die Bewachung der Mauer zuständig war. 1848 setzte König Friedrich Wilhelm zur Erhaltung des Friedens und der Eintracht aller Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft eine nicht uniformierte Bürgerwehr ein, die auch für die Bewachung der Stadtmauer zuständig war.

Alle Männer zwischen 18 und 70 Jahren mussten sich ehrenamtlich daran beteiligen. Die Bürgerwehren wurden zum Beispiel zur Unterstützung der Polizei eingesetzt. Nach in Kraft treten des Verbundbriefes, als die Zünfte und Gaffeln die Führung in der Stadt übernommen hatten, wurden die Einheiten der Bürgerwehr aufgelöst und neu aus den Mitgliedern der Zünfte und Gaffeln aufgestellt. Da jeder Bürger Mitglied einer Zunft oder Gaffel sein musste und wieder eine Wehrpflicht für alle männlichen Bürger bestand, änderte sich wenig. Neben der Bürgerwehr gab es noch die Stadtsoldaten, die aus Söldnern zusammengestellt wurden (siehe Rote Funken).

Bürgerwehr und Stadtsoldaten wurden mit dem Einmarsch der Franzosen 1794 aufgelöst. Nun war Köln aber mit seinen engen unbeleuchteten Straßen ein Ort für Verbrechen und Rechtswidrigkeiten, so dass die Stadt sich gezwungen sah, weil die Franzosen sich nicht darum kümmerten, wieder eine Bürgerwehr einzurichten, diesmal auf freiwilliger Basis. Mit Ende der Franzosenzeit 1815 entfiel dann die Bürgerwehr wieder.

Im März 1848 entstand dann in Köln eine neue Bürgerwehr. Sie war sowohl Polizeiersatz wie Ordnungseinrichtung. Der erste Kommandant dieser Truppe war Heinrich von Wittgenstein, der später erster Sprecher des 1823 gegründeten Festordnenden Komitees wurde. So war jetzt in der Bürgerwehr schon ein leicht karnevalistischer Einschlag zu spüren. Bedingt durch die politischen Ereignisse, wurde die Bürgerwehr bereits im September des gleichen Jahres wieder aufgelöst.
Warum sollte nun nach den Roten Funken, die sich auf die Stadtsoldaten beziehen, nicht auch eine Bürgerwehr im Karneval Einzug halten? So ließ die Nippeser Bürgerwehr diese Tradition wieder aufleben. Als Vereinsfarben wählte man orange/weiß, Die Farben stammen wohl von einer Teileinheit der Garde munizipal de la Ville de Cologne. Diese Farben brachten der Gesellschaft den Namen „Appelsine-Funken“ ein.

Der Aktionsradius der Gesellschaft war anfangs auf den Stadtteil begrenzt, und ihr Name wurde schon bald zum Markenzeichen von Nippes. Mittlerweile muss die Gesellschaft mit ihren Sitzungen in die Stadt gehen, da Nippes keinen geeigneten Saal aufweisen konnte. So kommen die Mitglieder heute auch aus dem gesamten Stadtgebiet und Umgebung.

Die Nippeser Bürgerwehr ist eine Korpsgesellschaft und umfasst fünf Corpsteile. Sie setzen sich aus der Wache, zu der das Tanzcorps gehört, und die die Nippeser Bürgerwehr nach außen repräsentiert, aus den fördernden Corpsteilen Senat und Corps a la Suite sowie dem Reitercorps und dem Reservecorps zusammen.
Über 50 Jahren eröffnet die Nippeser Bürgerwehr mit einer Straßensitzung um 9.11 Uhr an Weiberfastnacht den Straßenkarneval auf dem Wilhelmplatz in Nippes. Seit 1914 veranstaltet und organisiert die Nippeser Bürgerwehr Karnevalsumzüge durch Nippes. Erst an Rosenmontag und seit 1928 am Karnevalsdienstag. Heute zieht einer der größten Dienstagszüge von Köln mit über 70 Gruppen durch Weidenpesch und Nippes, immer noch unter der Organisation und Leitung der Nippeser Bürgerwehr.

Präsident und Kommandant ist seit 2014 Artur Tybussek.


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